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Wenn Sie mit Ihrem Kind mit dem Verdacht auf eine Allergie zum Arzt gehen, wollen Sie natürlich wissen, was Sie erwartet. Das dritte Kapitel gibt Ihnen die notwendigen Informationen. Sie können sich und Ihr Kind dann besser darauf vorbereiten.
Frau Weber hat mit ihrem achtjährigen Sohn Thomas einen Termin beim Arzt zur Allergieuntersuchung. Seit drei Monaten hat Thomas in der Nacht Husten und Atemnot bei körperlicher Anstrengung. Daher soll jetzt eine eingehende Untersuchung erfolgen. Thomas ist es ziemlich mulmig im Bauch, auch Frau Weber ist gespannt, was sie erwartet.
Nach einer kurzen Wartezeit, in der sie auch einen Fragebogen zur Krankheitsvorgeschichte ausfüllte, ist Thomas an der Reihe und wird vom Arzt mit seiner Mutter freundlich begrüßt. Dieser stellt zunächst eine ganze Reihe von Fragen. Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Dann wird ein Hauttest angelegt. Es tut kaum weh, das an drei Stellen auftretende Hautjucken stört Thomas mehr. Nach fünfzehn Minuten wird abgelesen: es zeigt sich eine deutliche Reaktion gegen Hausstaubmilben. Zuletzt wird noch eine Lungenfunktionsuntersuchung vor und nach einem Dauerlauf durchgeführt, Thomas muss dazu in ein Mundstück blasen. Der Ausgangswert ist in Ordnung, nach Belastung zeigt sich jedoch eine Funktionseinschränkung.
Zum Abschluss bespricht der Arzt alle Befunde mit Thomas und seiner Mutter: Thomas hat ein Asthma bronchiale, das durch eine Milbenallergie hervorgerufen wird und sich zudem bei körperlicher Belastung verschlechtert. Die Milbensanierung vor allem im Kinderzimmerbereich wird besprochen. Der Arzt verordnet auch 2 Medikamente zum Inhalieren: eines zur regelmäßigen Anwendung, ein zweites zur Anwendung nur bei Atemproblemen. Die genaue Handhabung des kleinen Pulverinhalators wird von der Arzthelferin anschließend ausführlich erklärt. In vier Wochen wird ein Termin für eine Kontrolluntersuchung vereinbart, um den Erfolg der Behandlungsmaßnahmen zu überprüfen. Vor dem nächsten Termin hat Thomas keine Angst mehr.
Die Diagnose einer Allergie und eines Asthma bronchiale umfasst mehrere Schritte:
Der erste und wichtigste Schritt ist die Krankengeschichte (Anamnese). Mit der Krankengeschichte allein kann in vielen Fällen die Diagnose bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit gestellt oder ausgeschlossen werden. Auf jeden Fall ist sie für die Weichenstellung in Bezug auf weitere diagnostische Maßnahmen entscheidend. Die folgenden Fragen sind zur Abklärung einer Allergie besonders wichtig. Eventuell erhalten Sie auch einen Allergiefragebogen, den Sie zur Vorinformation des Arztes bereits im Wartezimmer ausfüllen. Eventuell wird Ihr Arzt Sie auch bitten, ein Symptomprotokoll z.B. in Form eines Symptom-Nahrungsmittel-Tagebuches zu führen. Man unterscheidet allergische Frühreaktionen, die innerhalb von 2 Stunden eintreten (z.B. sofortige Lippenschwellung nach Eikontakt) von allergischen Spätreaktionen. Da letztere erst Stunden bis Tage nach dem Allergenkontakt auftreten, sind sie mitunter sehr schwer zu diagnostizieren.
Ihr Kinder- und Jugendarzt wird insbesondere jene Organe gründlich untersuchen, welche von den Beschwerden betroffen sind. Bei chronisch verlaufenden Erkrankungen ist auch die Beurteilung von Wachstum und Entwicklung besonders wichtig.
Oft ist zu hören, bei Säuglingen und Kleinkindern sei noch keine
Allergietestung möglich. Dies ist jedoch eindeutig falsch. Auch bei Säuglingen
können schon aussagekräftige Testungen vorgenommen werden. Wichtig!:
Eine positive Reaktion beim Allergietest beweist nicht automatisch das Vorliegen
einer allergischen Erkrankung. Sie zeigt lediglich, dass das Immunsystem Kontakt
mit der entsprechenden Substanz gehabt und darauf reagiert hat (= Sensibilisierung).
Der Allergietest kann jedoch nichts darüber aussagen, ob diese Sensibilisierung
auch wirklich Krankheitserscheinungen hervorruft (= Allergie). Diese Einschränkung
gilt vor allem bei Nahrungsmitteln. Im Zweifelsfall muss ein Provokationstest
durchgeführt werden. Ein Allergietest kann jedoch auch negativ ausfallen:
z.B. im Frühstadium einer allergischen Erkrankung oder wenn die Sensibilisierung
nicht sehr stark ist, beispielsweise wenn lediglich eine allergische Bindehautentzündung
vorliegt. Das Ergebnis eines Allergietests kann daher niemals für sich allein
und isoliert bewertet werden, sondern muss immer im Zusammenhang mit der Vorgeschichte
und den Krankheitserscheinungen betrachtet und beurteilt werden! Dies setzt vor
allem bei Kindern besondere Erfahrung voraus. Leider kommt es immer wieder vor,
dass der Allergietest und nicht das allergiekranke Kind behandelt wird. Ungeeignete
Diagnosemethoden sind u.a. die Kinesiologie, Bioresonanz oder Elektroakupunktur
(siehe auch
Kapitel 17).
Hauttests sind das am häufigsten angewendete Untersuchungsverfahren auf der Suche nach Allergieauslösern. Das Testmaterial kann in die Haut eingebracht (Pricktest, Intrakutantest) oder auf die Haut aufgebracht (Epikutantest = Patchtest) werden. Liegt eine Sensibilisierung gegen die entsprechende Substanz vor, so reagiert die Haut mit einer Hauterhebung (Quaddel) und Rötung bzw. einer Ekzemreaktion (Bläschen und Knötchen). Die Stärke auftretenden Hautreaktion gib auch einen Hinweis auf den Ausprägungsgrad der Sensibilisierung. Wichtig!: Vor einem Hauttest müssen antiallergisch wirkende Medikamente aus der Gruppe der Antihistaminika (z.B. Aerius®, Fenistil®, Telfast®, Zyrtec®, Xusal®) abgesetzt werden, da sie die Reaktionsbereitschaft der Haut herabsetzen und damit das Testergebnis verfälschen können. Die Medikamentenpause muss zwischen drei und sieben Tagen betragen. Auch Kortison-haltige Salben und Cremes dürfen drei bis sieben Tage vor der Testung im Testareal nicht verwendet werden.
Abbildung 3-1: Pricktest
Beim Pricktest werden die Testsubstanzen auf zuvor markierten Stellen auf
die Haut aufgetropft. Danach wird jeweils mit einer Einmallanzette oder einer
speziellen Nadel durch die Allergenlösung hindurch oberflächlich in
die Haut gestochen (siehe
Abbildung 3-1).
Durch diese kleine Verletzung wird der Kontakt des Allergens mit dem Immunsystem in der Haut hergestellt. Nach 15 Minuten wird der Test, der hauptsächlich allergische Sofortreaktionen erfasst, abgelesen.
Entscheidend ist eine Anhebung (Quaddelbildung) der Haut. Parallel wird immer als Kontrolle mit Kochsalzlösung (darf nicht reagieren) und Histamin (Vermittlersubstanz allergischer Reaktionen, 1:1000 verdünnt, soll reagieren) getestet.
Die Reaktion auf das Allergen wird im Vergleich zur Reaktion der Kochsalzlösung (Negativkontrolle) und des Histamins (Positivkontrolle) beurteilt.
Bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen ist die Hautreaktion schwächer ausgeprägt als in den übrigen Altersstufen.
Beim Scratchtest wird die Haut oberflächlich angeritzt und anschließend das Allergen aufgetragen. Der Test hat viele unspezifisch positive Reaktionen und wird daher nur noch selten angewendet.
Beim Intrakutantest wird die Testlösung oberflächlich in die Haut gespritzt. Er dient z.B. zur Diagnostik von Insektengiftallergien.
Bei besonders starker Sensibilisierung z.B. gegen Tierhaare genügt oft ein vorsichtiges Reiben über 60 Sekunden mit den Tierhaaren auf der Haut, um eine Hautreaktion hervorzurufen. Für einen Reibtest wird ein kräftiges Büschel Haare benötigt, etwa so viel wie bei einem mittelgroßen Malpinsel.
Der Patch-Test wird bei Kindern hauptsächlich als sogenannter Atopie-Patch-Test zur Überprüfung allergischer Auslösefaktoren bei Neurodermitis verwendet. Er erfasst die allergischen Spätreaktionen, die erst innerhalb von Stunden bis Tagen nach Allergenkontakt auftreten, besser als der Pricktest oder RAST. Der Patchtest dient auch zur Ursachensuche bei Kontaktallergien der Haut (z.B. Hautausschlägen an Körperstellen, an denen Schmuck getragen wird).
Die Testsubstanzen werden mit Hilfe eines hautfreundlichen Pflasters mit der Haut, meist am Rücken, in Kontakt gebracht. Sie verbleiben 24 bis 48 Stunden auf der Haut. Eine positive Reaktion äußert sich als Anhebung der Haut, Bildung kleiner Bläschen oder Knötchen.
Eine ganze Reihe von Faktoren können die Reaktionsbereitschaft der Haut verändern und die Aussagefähigkeit eines Hauttests beeinträchtigen. Hauttests sollen daher in folgenden Situationen nicht durchgeführt werden:
Bei der bei weitem überwiegenden Anzahl von Hauttests sind außer einem Juckreiz und evtl. einer Schwellung an der Teststelle keine Reaktionen zu erwarten. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn der verdächtigte Allergieauslöser zuvor Allgemeinreaktionen (z.B. einen ausgedehnten Hautausschlag) oder Schockreaktionen hervorgerufen hat. Dies kann z.B. bei Insektengiftallergien oder Nahrungsmittelallergien der Fall sein. In solchen Situationen wird das Allergen in sehr hohen Verdünnungen zur Testung verwendet und Notfallmedikamente werden bereitgehalten. Wenn ein möglicherweise mit größeren Nebenwirkungen behafteter Test keine Konsequenzen für die Behandlung hat, sollte er ganz unterbleiben.
Unterschieden werden muss zwischen Untersuchungen, die lediglich einen Hinweischarakter auf allergische Erkrankungen haben und Untersuchungen, welche spezifisch allergieauslösende Antikörper nachweisen können.
Die Anzahl der Eosinophilen im Blut, eine spezielle Sorte weißer Blutkörperchen, kann bei Allergien, jedoch auch bei Parasitenbefall (z.B. Würmer) erhöht sein. Auch die Bestimmung des Gesamt-IgE im Blut ist zum Beweis einer Allergie ungeeignet. Die Werte für Allergiker und Nichtallergiker überlappen stark, auch andere Erkrankungen können zu erhöhten Werten führen.
Allergische Sofortreaktionen werden durch spezifische Antikörper
aus der IgE-Klasse vermittelt (siehe auch
Kapitel 16). Diese allergenspezifischen
IgE-Antikörper richten sich hochspezifisch gegen einzelne Allergene
(z.B. Birkenpollen) und können mit verschiedenen Verfahren im Blutserum nachgewiesen
werden. Meist wird der RAST (Radio-Allergo-Sorbent-Test)
verwendet. Das Ergebnis wird in RAST-Klassen angegeben: Klasse 0 = negativ, Klasse
1 = zweifelhaft, Klasse 2 = schwach positiv, Klasse 3 = positiv, Klasse 4 = stark
positiv. Ein anderes Laborsystem (CAP®) verwendet die Klassen 0 bis 6. Vorteile
des RAST sind die Unabhängigkeit vom Hautzustand, vom Lebensalter sowie vorausgegangener
Medikamentengabe. Er ist jedoch im Vergleich zum Pricktest etwas weniger empfindlich
und teurer. Auch ist das Ergebnis nicht sofort verfügbar. Er wird bevorzugt
bei kleinen Kindern, denen eine umfangreiche Hauttestung nicht zugemutet werden
kann und bei Personen mit chronischen Hautveränderungen (z.B. Ekzemen) durchgeführt.
Bei einer Entzündung der Lungenbläschen (allergische Alveolitis) wird nach spezifischen Antikörpern der IgG-Klasse gesucht. Zum Nachweis einer Nahrungsmittelallergie sind IgG-Antikörper nicht geeignet, da sie eine normale Antwort des Organismus auf den Kontakt mit verschiedenen Nahrungsmitteln darstellen. Auch bei Insektengiftallergien können sich IgG-Antikörper bilden. Sie dürfen jedoch nicht als schützende Antikörper interpretiert werden.
Weitere Laboruntersuchungen wie der Histaminfreisetzungstest sind wegen ihres Aufwandes Spezialfällen vorbehalten. Beim Histaminfreisetzungstest werden weiße Blutkörperchen im Labor mit Allergieauslösern in Kontakt gebracht und beobachtet, ob Histamin freigesetzt wird.
Kann mit den oben angeführten Untersuchungen eine Allergie nicht zweifelsfrei diagnostiziert werden, wird ein Provokationstest erforderlich. Beim Provokationstest wird das zu untersuchende Organ direkt mit dem angeschuldigten Allergen in Kontakt gebracht und somit eine allergische Reaktion provoziert.
Die Lösung mit dem angeschuldigten Allergen wird in ein Nasenloch auf die untere Nasenmuschel aufgebracht. Eine positive Reaktion äußert sich als wässrige Absonderung und Schwellung der Nasenschleimhaut, als Vergleich dient die mit einer neutralen Lösung behandelte andere Nasenseite. Zusätzlich kann die Änderung des Luftwiderstandes in der Nase vor und nach Aufbringen des Allergens bestimmt werden (Rhinomanometrie). Dieses Verfahren ist jedoch sehr aufwändig und störanfällig, sodass es vor allem bei Kindern nicht routinemäßig angewendet wird.
Die Allergenlösung wird in den unteren Bindehautsack eingetropft. Eine positive Reaktion zeigt sich in einer Anschwellung der Bindehautgefäße und einer Absonderung von Tränenflüssigkeit.
Nahrungsmittelallergien lassen sich in vielen Fällen
durch Hauttests oder Laboruntersuchungen nicht ausreichend abklären, da viele
Personen positive Allergietests haben, ohne dass dies mit Krankheitszeichen verknüpft
ist. Zum Beweis einer Nahrungsmittelallergie werden daher in der Regel zunächst
ein oder mehrere angeschuldigte Nahrungsmittel aus der Ernährung ausgeschlossen
(Auslass- oder Eliminationsphase). Verschwinden oder bessern
sich daraufhin die Beschwerden, spricht dies bereits für einen ursächlichen
Zusammenhang. Den sicheren Beweis bringt jedoch nur die erneute Gabe des verdächtigten
Nahrungsmittels, was dann zum erneuten Auftreten der Beschwerden führen muss
(Provokationsphase). Die aussagekräftigste Methode der Provokation
mit Nahrungsmitteln ist die sogenannte doppel-blind placebokontrollierte
Provokation bei der weder Arzt noch Patient wissen, was verabreicht wird.
Die Allergene werden dabei in Medikamentenkapseln oder einer Flüssigkeit
versteckt verabreicht (siehe auch
Kapitel 7 Nahrungsmittelallergien).
Auch bei vermuteten Medikamentenallergien führt oft nur eine orale Provokation
zum Ziel. Das angeschuldigte Medikament wird vorsichtig in ansteigenden Dosen
verabreicht und die Reaktion des Patienten genau beobachtet. Bei der Abklärung
von Allgemeinreaktionen oder Schockzuständen darf die orale Provokation nur
bei entsprechender Überwachungs- und Notfallbehandlungsmöglichkeit durchgeführt
werden!
Zur Diagnose, Verlaufs- und Therapiekontrolle bei Asthma bronchiale und anderen
chronischen Lungenerkrankungen werden Lungenfunktionsuntersuchungen eingesetzt
(siehe auch
Kapitel 5.4 Asthma bronchiale).
Die Lungenfunktionsuntersuchungen setzen die Mitarbeit des Patienten voraus. Einfachere
Lungenfunktionsprüfungen gelingen etwa ab einem Alter von vier bis fünf
Jahren. In einigen Spezialkliniken kann bereits bei Säuglingen die Lungenfunktion
gemessen werden. Verschiedene Methoden der Lungenfunktionsprüfung stehen
zur Verfügung:
Die einfachste Möglichkeit ist die Messung des maximalen Luftflusses bei Ausatmung (Peak-Flow) mit einer relativ einfachen Vorrichtung, dem Peak-Flow-Meter.
Damit können ohne großen Aufwand auch häusliche Kontrolluntersuchungen vorgenommen werden.
Das Peak-Flow-Meter erfasst jedoch nur gröbere Einschränkungen der Lungenfunktion und liefert bei Verengung der kleinen Atemwege trotzdem normale Werte!
Wesentlich aussagekräftiger ist die Aufzeichnung des Luftflusses bei Ein- und Ausatmung in einer Fluss-Volumen-Kurve. Hierdurch können bereits geringgradige Veränderungen der Lungenfunktion und auch Verengungen der kleinen Atemwege dokumentiert werden. Bei verengten Bronchien nimmt das Ausatmungsvolumen ab und die Fluss-Volumen-Kurve bekommt eine Delle ("hängende Wäscheleine").
Der Atemwiderstand zeigt an, welchen Widerstand die Atemluft in den Bronchien überwinden muss. Er kann mit verschiedenen Methoden gemessen werden. Bei einer Bronchialverengung steigt der Atemwiderstand an.
Die aufwändigste Methode ist die Untersuchung in der Lungenfunktionskammer (Bodyplethysmographie). Neben der Fluss-Volumen-Kurve und dem Atemwiderstand liefert sie auch Aussagen über eine mögliche Lungenüberblähung.
Beim Bronchospasmolysetest wird nach Inhalation eines bronchialerweiternden Medikaments eine zweite Lungenfunktionsprüfung durchgeführt. Dabei zeigt sich, wie weit sich die Bronchien öffnen können und ob eine Verengung rückbildungsfähig ist.
Die bronchialen Provokationstests können eine bronchiale Überempfindlichkeit unter Belastungsbedingungen nachweisen. Man kann damit unter anderem ein Asthma bronchiale von anderen Lungenerkrankungen zu unterscheiden. Folgende bronchiale Provokationstests können eingesetzt werden:
Bei akuten Atemwegsproblemen zeigt eine Röntgenuntersuchung der Lunge, ob z.B. eine Lungenentzündung vorliegt. Bei chronischen Atemwegsproblemen muss nach angeborenen Fehlbildungen oder chronisch entzündlichen Veränderungen der Lunge gesucht werden. In bestimmen Fällen kann eine Computertomographie oder Kernspintomographie notwendig werden. Bei Verdacht auf eine Vereiterung der Nasennebenhöhlen als Komplikation einer allergischen Erkrankung wird evtl. eine Röntgenuntersuchung der Nasennebenhöhlen erforderlich.
Sind die Ohren in Form von Ergüssen im Mittelohr beteiligt, wird eine schmerzlose Messung der Trommelfellbeweglichkeit (Tympanometrie) vorgenommen. Bei einem ausgeprägten Paukenerguss bewegt sich das Trommelfell nicht mehr. Ein Hörtest zeigt eine mögliche Beeinträchtigung des Hörvermögens durch Mittelohrergüsse.
Eine Mukoviszidose (= Cystische Fibrose) kann ein Asthma bronchiale vortäuschen. Es handelt sich dabei um eine angeborene Stoffwechselstörung, die vor allem zu einer Beeinträchtigung der Funktion der Lunge und der Bauchspeicheldrüse führt. Beim Schweißtest wird der Salzgehalt im Schweiß gemessen, welcher bei der Mukoviszidose erhöht ist.
Bei der Bronchoskopie werden Luftröhre und Bronchien mit einer starren oder flexiblen Optik direkt beurteilt. Man kann Entzündungen, Fremdkörper oder Aussackungen in den Bronchien erkennen und auch Gewebsproben entnehmen.
Die Zusammenschau und Bewertung aller erhobenen Befunde liefert zum Schluss die Diagnose und auch die Grundlage für die sich anschließende Therapie, die Ihr Kinder- und Jugendarzt mit Ihnen besprechen wird. Informationen zur Therapie der verschiedenen allergischen Erkrankung und des Asthma bronchiale finden Sie in den folgenden Kapiteln.
Bei allen Problemen sollten Sie zunächst Ihren Kinder- und Jugendarzt ansprechen. Er kann in der Regel eine allergologische Grunddiagnostik durchführen und eine Behandlung einleiten. Für spezielle und schwierigere Fragestellungen ist für die meisten Probleme für Säuglinge, Kinder und Jugendliche der allergologisch qualifizierte Kinder- und Jugendarzt der richtige Ansprechpartner. Er kennt sich mit dem wachsenden Organismus von Kindern und Jugendlichen am besten aus und ist trotz seiner Spezialisierung nicht nur für ein Organ zuständig. So kann er die Diagnostik und Behandlung, die bei allergischen Erkrankungen meist mehrere Organsysteme betrifft (z.B. Nase und Augen; Lunge und Nasennebenhöhlen; Magendarmtrakt und Haut) am besten koordinieren und im Bedarfsfall weitere Fachkollegen oder eine Allergieambulanz an einer Kinder- und Jugendklinik einschalten. Sie erkennen allergologisch besonders weitergebildete Ärzte daran, dass sie hinter ihrem Facharzttitel die Zusatzbezeichnung "Allergologie" führen. Sie finden diese Ärzte über Verzeichnisse, welche die regionalen Krankenkassen herausgeben; ebenso können die Bezirksärztekammern Auskunft geben.
Die Diagnose einer Allergie verläuft in verschiedenen Schritten: Nach der Erhebung der Krankengeschichte erfolgt die körperliche Untersuchung. Mit einem Bluttest können allergieauslösenden Antikörper direkt nachgewiesen werden, mit Hauttests kann die Reaktion des Immunsystems auf den Allergieauslöser an der Haut beobachtet werden. Eine Allergietestung ist bereits ab dem Säuglingsalter möglich. In unklaren Fällen muss das betroffene Organ direkt mit dem vermuteten Allergieauslöser in Kontakt gebracht und die Reaktion beobachtet werden (Provokationstest). Bei Verdacht auf ein überempfindliches Bronchialsystem oder ein Asthma bronchiale ist eine Lungenfunktionsuntersuchung erforderlich. Eventuell werden auch weitere Zusatzuntersuchungen wie ein Röntgenbild der Lunge oder ein Schweißtest durchgeführt.