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19. Anaphylaxie Die Anaphylaxie ist die schwerste und bedrohlichste Form einer allergischen Reaktion. Sie kann den ganzen Körper in Mitleidenschaft ziehen und bis zum allergischen Schock führen. Es handelt sich um einen absoluten Notfall, der einer sofortigen medizinischen Behandlung bedarf!
Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem bei dazu veranlagten Menschen durch die Bildung von Allergie-Antikörpern überschießend auf bestimmte allergieauslösende Stoffe aus der Umwelt (= Allergene). Oft reicht eine verschwindend kleine Menge des Allergieauslösers aus, um eine Reaktion auszulösen. Von einer allergischen Allgemeinreaktion spricht man, wenn nicht nur an der Kontaktstelle mit dem Allergieauslöser Symptome auftreten, sondern auch an entfernten Körperteilen (z. B. Schwellung des Gesichts nach Bienenstich in die Hand). Bei der Anaphylaxie als schwerster Form einer allergischen Allgemeinreaktion ist nicht nur ein Organ, sondern sind mehrere Organe (wie die Haut, die Atemwege, das Herz-Kreislaufsystem) bis hin zum ganzen Körper betroffen. Die Auswirkungen sind entsprechend heftig und zum Teil lebensbedrohlich mit allergischem Schock und Herz-Kreislaufstillstand. Glücklicherweise sind Todesfälle bei Kindern relativ selten.
Die häufigsten Auslöser einer Anaphylaxie bei Kindern und Jugendlichen sind:
Die
Zeichen einer Anaphylaxie beginnen meist innerhalb von 5 bis 30
Minuten nach dem Kontakt mit dem Allergieauslöser. Die
Schwere der Symptome kann sich äußerst rasch ändern! Daher
muss schnell reagiert werden. Asthmatiker neigen zu besonders heftigen Reaktionen.
Die meisten anaphylaktischen Reaktionen treten zu Hause, im Kindergarten, in
der Schule oder während
der Freizeit auf, deutlich seltener beim Arzt oder im Krankenhaus.
Tabelle
19-1 zeigt Warnzeichen und bereits bedrohliche Zeichen der Anaphylaxie.
Tabelle 19-1: Warnzeichen und bedrohliche Zeichen der Anaphylaxie (modifiziert nach Niggemann)
Warnzeichen einer Anaphylaxie
Bedrohliche Zeichen einer Anaphylaxie
|
Nach einer anaphylaktischen Reaktion muss unbedingt durch einen allergologisch
geschulten Kinder- und Jugendarzt nach der Ursache gesucht werden. Oft ist bereits
die Vorgeschichte hinweisend, z.B. ein Insektenstich oder der Verzehr eines bestimmten
Nahrungsmittels. Meist lassen sich im Blut- oder im Hauttest Allergieantikörper
gegen den Auslöser nachweisen (siehe auch
Kapitel
3). Anaphylaxie-ähnliche
Symptome können allerdings auch auf nicht-allergischem Wege ohne Bildung
von IgE-Antikörpern ausgelöst werden (= anaphylaktoide Reaktion), was
die Diagnostik kompliziert. Erschwert wird die Ursachensuche auch, wenn eine
Anaphylaxie nur in Verbindung mit einem zusätzlichen Faktor (Kofaktor) auftritt:
z.B. sich eine allergische Reaktion auf Erdnuss nur dann zeigt, wenn nach Erdnussverzehr
Sport mit starker körperlicher Anstrengung betrieben wird.
Um weitere schwere allergische Reaktionen möglichst zu vermeiden und im Falle eines Notfalls schnell handeln zu können, sind folgende Maßnahmen erforderlich:
1. Auslöser kennen und unbedingt meiden
Hat ein Kind oder ein Jugendlicher bereits einmal eine anaphylaktische Reaktion durchgemacht und ist der Auslöser bekannt, ist natürlich die strikte Meidung des Allergieauslösers die erste und wichtigste Maßnahme.
Tabelle
19-2 und
Tabelle
19-3 geben Tipps zur Vorbeugung gegen Insektenstiche und zu vorbeugenden Maßnahmen
bei Nahrungsmittelallergien.
Tabelle 19-2: So kann man Insektenstichen vorbeugen
|
Tabelle 19-3: Vorbeugende Maßnahmen bei Nahrungsmittelallergie
Nahrungsmittelallergiker:
Freunde / Klassenkameraden:
|
2. Andere informieren
Neben dem Betroffenen und seinen Eltern müssen unbedingt auch Freunde und andere Betreuungspersonen über den Auslöser und die zu ergreifenden Maßnahmen informiert sein.
3. Notfallapotheke bereithalten und anwenden
Wenn bei erneutem Kontakt mit
dem Auslöser schwere Reaktionen drohen, wird
Ihr Kinder- und Jugendarzt eine Notfallapotheke verordnen (siehe
Tabelle
19-4). Diese sollte, mit einem schriftlichen Notfallplan bzw. Notfallausweis
versehen, stets griffbereit sein, auch im Kindergarten oder in der Schule. Eine
Notfallapotheke nach schwerer anaphylaktischer Reaktion enthält Adrenalin
(kreislaufstützend und bronchialerweiternd), ein Antihistaminikum und ein
Kortisonpräparat (antiallergisch wirkend). Die Anwendung der Notfallapotheke
und die Injektion von Adrenalin in den Oberschenkelmuskel müssen gezeigt
und geübt werden. Nach einer leichten anaphylaktischen Reaktion können
ein Antihistaminikum und ein Kortisonpräparat ausreichend sein. Ein Asthmatiker
sollte zusätzlich ein Akut-Spray mit einem Bronchialerweiterer (z.B. Salbutamol)
mit sich führen.
Tabelle 19-4: Inhalt einer Notfallapotheke. Ein schriftlicher Notfallplan gehört immer dazu!
|
4. Arzt / Notarzt rufen
Bei allen schweren Allgemeinreaktionen den Notarzt rufen. Auch nach leichten
Reaktionen anschließend immer einen Arzt aufsuchen. Allgemeine Maßnahmen
bei Anaphylaxie zeigt
Tabelle
19-5. Da manche Patienten nach einigen Stunden erneut Symptome zeigen (= zweiphasige
Reaktion) ist nach einer Anaphylaxie immer eine Überwachung von Blutdruck
und Atemfunktion über 24 Stunden
notwendig.
Tabelle 19-5: Allgemeine Maßnahmen bei Anaphylaxie
|
Bei der Anaphylaxie als schwerster Form einer allergischen
Allgemeinreaktion ist nicht nur ein Organ, sondern sind mehrere Organe
bis hin zum ganzen Körper betroffen. Die Auswirkungen sind entsprechend heftig und
zum Teil lebensbedrohlich bis hin zum allergischen Schock und Herz-Kreislaufstillstand.
Die häufigsten Auslöser einer Anaphylaxie bei Kindern und Jugendlichen
sind Nahrungsmittel, Wespen- und Bienengift sowie Medikamente. Nach einer anaphylaktischen
Reaktion muss unbedingt nach der Ursache gesucht werden, um erneute Reaktionen
verhindern zu können. Eine Notfallapotheke muss bereitgehalten werden, Betreuungspersonen
und Freunde müssen über zu ergreifende Notfallmaßnahmen informiert
sein.