Die Studie zur Hormonersatztherapie bei kompletter Androgenresistenz hat begonnen.
Ab sofort können Teilnehmerinnen mit der Behandlung starten.
Zum 1. September 2010 hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Vorhaben „Vergleich der klinischen und metabolischen Effekte von Estradiol und Testosteron bei erwachsenen gonadektomierten Frauen mit 46, XY DSD bei kompletter Androgenresistenz (CAIS)“ positiv beschieden. Seitdem hat sich in der Studienplanung viel getan. Die beteiligten Ethikkommissionen haben die Studie positiv bewertet. Alle planerischen Hürden sind genommen. Erste Probandinnen wurden bereits in die Studie aufgenommen. Die Studie wird weiter an der Universität zu Lübeck koordiniert. Drei weitere Zentren für Hormonstörungen aus Bochum, Berlin und Regensburg nehmen.
Hintergrundinformation: Die Androgenresistenz ist die häufigste Ursache für eine Besonderheit in der Geschlechtsentwicklung bei 46, XY Chromosomensatz. Bei der kompletten Form (CAIS) können männliche Hormone, obwohl diese in hohem Maße vorhanden sind, durch eine genetische Störung nicht ihre übliche Wirkung ausüben. Liegt ein 46, XY-Chromosomensatz vor, entwickelt sich aufgrund der fehlenden Wirkung von männlichem Geschlechtshormon (Testosteron) ein weibliches äußeres Erscheinungsbild. Die Keimdrüsen (Gonaden) sind im Bauchraum oder im Leistenkanal lokalisiert. Die Vaginalanlage endet blind. Betroffene 46, XY Frauen identifizieren sich fast ausschließlich mit dem weiblichen Geschlecht. Üblicherweise wurden bei den erwachsenen Betroffenen aufgrund einer befürchteten Entartung der Gonaden bis vor wenigen Jahren die Keimdrüsen entfernt. Sowohl Testosteron als auch Estradiol sind Geschlechtshormone, die üblicherweise zur Ersatztherapie bei Menschen mit einem Mangel an Geschlechtshormonen eingesetzt werden. Dabei wird bei Männern eine Testosterontherapie angewendet, bei Frauen eine Estradioltherapie. Unter diesem Konzept wurde bei 46, XY Frauen mit CAIS, denen die Keimdrüsen entfernt wurden, bislang häufig eine Estradioltherapie durchgeführt. Dies entspricht nicht dem Prinzip, die Hormone, die nicht mehr vom eigenen Körper gebildet werden können, zu ersetzen. So müsste bei CAIS eine Ersatztherapie mit Testosteron erfolgen, da dieses Hormon bei CAIS in hohem Maße gebildet wird. Frauen mit CAIS haben unter der Östrogentherapie über eine eingeschränkte Lebensqualität berichtet, wobei der Zusammenhang zur Hormontherapie nicht bewiesen ist. Aus diesen Überlegungen haben sich einige Betroffene mit CAIS bereits selbst mit männlichen Geschlechtshormonen (Testosteron) behandelt und über ein deutlich besseres Befinden berichtet. Weder eine Hormonersatztherapie mit Testosteron noch eine mit Östrogenen bei 46, XY Frauen mit CAIS ist bislang untersucht worden. Eine Testosteron-Therapie ist nicht zugelassen. Daher gibt es zwei mögliche Ansätze zur Hormonersatztherapie bei CAIS, die es zu prüfen gilt.  |